Teil 1: Wenn alles anders kommt, als geplant

Wir möchten euch in dieser kleinen Beitrags-Serie etwas Persönliches erzählen. Es geht um unsere Familie und wie sie sich verändert hat. Ein kleiner Erfahrungsbericht aus dem Nähkästchen. Der Bericht ist etwas lang… das ist mir klar. Dennoch möchte ich mit euch meine Gedanken, Bedenken und Ängste teilen.

Eine kleine Vorgeschichte

Die letzten Monate des alten Jahres waren für uns sehr besonders. Denn wie viele von euch wissen, hatten wir seit vielen Jahren unseren Findelkater Alfred bei uns, der sich überhaupt nicht mit Mogli, Nemo und Pixie verstanden hat. Es war nicht so, als hätten wir es nicht versucht. Nein, wir haben es immer wieder versucht… aber nach dem letzten wirklich brutalen Angriff gegen Nemo, war die Sache für mich klar.

Es wird nie funktionieren. Alfred toleriert keine anderen Fellnasen, sondern möchte allein König sein (kann man ja irgendwie auch verstehen).

Sätze wie «gib ihn doch weg», «such doch ein neues Zuhause für Alfred», waren nicht so hilfreich, da für mich ein Tier kein Wanderpokal ist, sondern ein Familienmitglied.

Alfred – Foto von Debora Spehar TIERFOTOGRAFIE

Und dann bin ich einem Rentnerpaar begegnet. Und schon beim ersten Mal, als ich die beiden besucht habe, habe ich in der ganzen Wohnung immer mal wieder alte Erinnerungsfotos ihrer bisherigen Katzen vorfinden können. Irgendwie gab mir das so ein «wohliges» familiäres Gefühl. Zwischen meines ersten und zweiten Besuches vergingen ca. 3-4 Monate. Und in dieser Zeit habe ich mir immer wieder gedacht… wenn ich bei meinem nächsten Besuch immer noch dieses Gefühl in mir trage, dann werde ich die beiden auf Alfred ansprechen. Und so war es dann nun, als wir im August 2025 wieder bei den beiden zu Besuch waren. Ich habe meine Idee ausgesprochen… und was soll ich sagen?

Unser geliebter Alfred durfte Ende September auf Probe zu den beiden und ist dort jetzt die Hoheit und unsere Familie hat sich sozusagen vergrössert, mit Bea und Roland ?

Dann waren es «nur» noch zwei.

Da unser Mogli im 2021 mit seinen zarten 9 Jahren viel zu früh sein Köfferchen für den Gang über die Regenbogenbrücke gepackt hat, waren wir also ab September 25 mit Nemo (13) und Pixie (11) noch zu viert.

Pixie ist mit ihren in der Zwischenzeit 12 Jahren immer noch sehr verspielt. Nemo war noch nie wahnsinnig begeistert von ihren Spielattacken und war daher immer eher der «Spielverderber». Deshalb kam die Idee auf, dass es vielleicht für Pixie cool wäre, wenn sie Spielkameraden bekommen würde, sich aber gleichzeitig auch zurückziehen kann, wenns auch ihr zu viel wird.

Die Entscheidung.

So haben wir uns Ende 2025 dafür entschieden, 2 jungen Katzen ein neues Zuhause zu geben. Obwohl wir der ganzen Sache skeptisch gegenüber waren, da wir doch jahrelang eine Vergesellschaftung mit Alfred versucht haben.

Ich persönlich bin kein Fan von Vermehrung (unkontrolliertes «Decken» von europäischen Hauskatzen, einfach weil «süss») und Zucht (kontrolliertes Decken mit Stammbaum). Es gibt so viele heimatlose Fellnasen, die bedürftig sind.

Deshalb habe ich mich bei der Tierschutzorganisation Cats Need Us für 2 Kitten beworben. Wow. Für mich ein besonderer Schritt, den ich tatsächlich vor mich hin geschoben habe. So war es doch schon lange her, dass ich Kitten hatte. Es fühlte sich an, als wäre die «Kinderplanung» abgeschlossen und man entscheidet sich nochmals dafür, von vorn zu beginnen (ja, ja… ich habe keine Menschenkinder und kann das vielleicht nicht so beurteilen – aber ich könnte mir vorstellen, dass sich das irgendwie so anfühlt).

Warum Kitten?

Warum wir Kitten ein neues Zuhause geben wollten? Ganz einfach, weil wir durch den jahrelang gescheiterten Versuch mit Alfred einfach das Gefühl hatten, dass es mit 2 jungen Felltigern einfacher wird. So habe ich vor 12 Jahren Mogli und Nemo erlebt, wie liebevoll sie damals mit ihren 2 Jahren, Pixie (ca. 11 Wochen alt) als verwahrlostes Kitten aufgenommen haben.

Ich habe ein bisschen im Archiv gestöbert, um die Fotos von damals zu zeigen. Als Pixie bei uns ankam, war sie wirklich verwahrlost und ungepflegt (siehe erstes Foto) – aber so liebenswert… so sehr, dass Mogli und Nemo das kleine Mädel sooooo gut aufgenommen haben. Aber ich muss zugeben, das Stöbern in den alten Fotos ist immer noch schwer für mich. Mogli war eine so gute Seele… die Zeit mit ihm war wundervoll und er fehlt jeden Tag 🙁

Die Bewerbung war nun also raus – und wir nervös. Sehr schnell haben wir den Bescheid bekommen, dass die beiden Kitten, für welche wir uns interessiert haben, bereits ein Zuhause gefunden haben. Wir waren nicht enttäuscht, sondern einfach froh darüber, dass die beiden ein Zuhause bekommen haben.

Und wir haben ja kein Stress.

Und dann kam alles anders…

Es seien aber noch 2 weibliche Katzen da, die auf der Suche nach einem Daheim sind. Ihre Namen vom Tierschutz gegeben seien «Amy» und «Willow». Amy hatte mit ihren knapp 2 Jahren bereits 2 Operationen an ihrem rechten Auge hinter sich, da ihr die Wimpern ins Auge gewachsen sind, sowie mit Herpes zu kämpfen. Willow wurde als ganz kleines abgemagertes – ja fast verhungertes – Kitten gefunden und sei erst ein paar Monate alt. Die beiden sind zusammen auf einer liebevollen Pflegestelle in Lyss (BE).

Während Willow eher als eine zurückhaltende und unsicherere Katze beschrieben wurde, war Amy mehr die Draufgängerin, die sehr anhänglich und liebevoll ist, mit manchmal etwas unberechenbaren «hau»-Anfällen. Nun gut. Solange sie sich mit unseren Senioren verstehen würden, spielt es uns keine Rolle, ob die beiden Weibchen Kuscheltiger werden, oder eben nicht.

Für uns war klar – wir besuchen die zwei. Und je nach Gefühl werden wir es versuchen. Also reservierten wir uns einen Termin für einen Tagesausflug in den schönen Kanton Bern. Bepackt mit 2 Haarballen von Nemo und Pixie, haben wir die zwei Mädels besucht. Meine Idee war es, dass sich Amy und Willow bereits an die Gerüche von Pixie und Nemo gewöhnen können – deshalb die Haarbällchen.

Und was soll ich sagen? Sogar Willow kam schnell zu uns, um uns kurz zu beschnuppern. Während Amy bereits etwas zutraulicher war und schon da Turnübungen auf uns gemacht hat. Wir waren ca. eine halbe Stunde zu Besuch und hatten dann genug Zeit, um uns die Sache zu überlegen.

Aber ja.. Eigentlich war es ja klar. Wir möchten den beiden die Chance auf ein neues Zuhause nicht verwehren. Also haben wir fürs «Wohnen auf Probe» zugesagt. Bei Cats Need Us ist es so, dass zuerst noch ein Kontrollbesuch gemacht wird. Zum Glück! Denn so oft kommen Katzen und Hunde in Haushalte, in denen sie kein artgerechtes Zuhause bekommen. Nach dem Besuch und den tollen Gesprächen auch mit diesem Paar, welches für die Tierschutzorganisation tätig ist (und auch selbst Tiere aus dem Tierschutz aufgenommen hat), durften wir uns offiziell als Adoptiv-Familie für Amy und Willow anmelden.

Dennoch waren wir immer noch skeptisch, ob das denn wirklich klappen könnte mit unseren Senioren. Patricia und Barbara von Cats Need Us haben uns gute Tipps mitgegeben, da sie die Charaktere der beiden schon gut gekannt haben. Entgegen allem, was ich dazu schon gelesen habe, meinten sie: «Lasst Amy bereits zu Beginn mit den beiden Senioren zusammen und gebt Willow etwas Zeit und behält sie zu Beginn in einem separaten Raum».

So haben wir das also so gemacht. Wir haben vor vielen Jahren eine extra Türe mit integriertem Gitter machen lassen, sodass auch Alfred & Crew sich immer beschnuppern und beobachten konnten. Die Tür haben wir natürlich immer noch. War also perfekt für die erste Nacht…

Fortsetzung folgt…

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